Spätrömische Dekadenz
Written by Robin Renitent   
Monday, 01 March 2010

Abwarten und mal alle Ausfälle (Künast etc. etc.pp) zu Westerwelles Äußerungen anhören. So habe ich es diesmal gehalten. Und das war gut so. Schließlich wollte ich ja nicht mein Laptop voll kotzen. Aber nun, einige Tage, später nehme ich mir den Begriff der „spätrömischen Dekadenz“ doch noch einmal vor.

Beschäftigen wir uns zunächst mal, wenn wir schon, wie Westerwelle, zurück ins römische Imperium schauen, mit der römischen Familie als Kernzelle des römischen Staates und seiner über Jahrhunderte unbestrittenen Erfolge. Wie sah die römische Familie aus? Da war zunächst der Pater familias, der Hausvater. Er hatte allumfassende unbeschränkte und unteilbare Herrschaftsgewalt (Patria potestas) über Ehefrau, (Mater familias), Kinder (Liberi) und Sklaven (Servi). Auch das Vieh und sämtliches bewegliche und unbewegliche Eigentum gehörten dazu.

Die Wahrung der Hauszucht (Disciplina Potestas)  erreichte der Hausvater durch Autorität (Auctoritas) die sich auf seine Erfahrung (Sapientia) und sein reifes Urteil (Consilium) gründete. Ebenso auf seine Rechtschaffenheit (Probitas). Weitere Eigenschaften waren Bedächtigkeit (Diligentia), Strenge (Severitas) und Selbstbeherrschung (Continantia Temperantia), die sein würdevolles Handeln (Gravitas) bestimmten. Sein Ziel erreichte er durch Fleiß (Industria) und Zähigkeit (Constantia) Die jüngere Generation wurde nach dem Beispiel der älteren Generation erzogen (Mos maiorum). Ihr gegenüber trat sie mit Bescheidenheit (Modestia) und Ehrfurcht (Reverentia) auf, außerdem mit unbedingtem Gehorsam (Obsequium). Zusätzlich wurden Respekt (Verecundia) und Reinheit (Pudicitia) verlangt.

Fragen wir uns selbst, welche dieser durchaus positiven Ideale in unserer Zeit noch einen Wert haben.  Aber genau diese Eigenschaften und ihre Anwendung und Durchsetzung im Hause (Disciplina domestica) waren die Grundlage der militärischen Disziplin (Disciplina militaris) und damit der römischen Macht und Größe.

Solange Rom an Idealen festhielt und sie auch durchgesetzt wurden war an der römischen Überlegenheit nicht zu rütteln. Tugend (Virtus), Freiheit der Gesinnung und des Handelns (Libertas), Ruhm (Gloria), Ehrfurcht und Frömmigkeit (Pietas) und vor allem Zuverlässigkeit (Fides) waren die Wertmassstäbe des römischen Bürgers, ebenso wie die der Patrizierklasse. Der Römer stellte sich in den Dienst des Gemeinwesens (Res publica) und setzt sich für die Macht und Größe SEINES Volkes (Majestas populi Romani) ein. Das Wohl seines Volkes war ihm oberstes Gesetz (Salus populi suprema lex). Gleichwohl gab es eine Aufteilung in zwei Lebenswelten: Die Res publica (Staat) und die Res privata (Sache des Einzelnen). Die letztere hatte sich immer dem Staatswohl unterzuordnen.

Sicher kann man, nach der Aufklärung, einige andere Schwerpunkte setzen. Unser Verhältnis zum weiblichen Geschlecht z.B. haben wir modifiziert (nicht der Islam natürlich). Die männliche Herrschaftsgewalt ist, zum Glück, einem Miteinander gewichen, jedenfalls nahm ich das immer an, wenn ich allerdings bestimmte Äußerungen bestimmter Feministinnen höre, dann haben wir eben eine ebenso unerfreuliche Umkehrung der Machtstrukturen.  Aber das soll hier nicht das Thema sein. Ebenso nicht unsere, aus einem gepflegten Schuldkult geborene Abwendung von allem was nur entfernt militärisch aussieht. Dabei  muss „militärisch“ nicht zwangsläufig aggressiv heißen und Unterwerfung anstreben. Ein gesunder Wille zur Selbstverteidigung reicht völlig aus.

Aber die übrigen Ideale waren durchaus festigend. Nicht nur festigten sie die Strukturen des Charakters, sondern bestimmten auch die Stabilität der Familie und waren damit eine stützende Zelle der Gesellschaft. Diese Ideale sind in Verruf geraten, sie wurden vorsätzlich demontiert. Es gibt einen nicht zu unterschätzenden, großen Teil an Mitgliedern unserer Gesellschaft die diese Ideale tagtäglich torpedieren. Den Linken ist die bürgerliche Familie, als gefestigte Zelle vergleichbar der römischen Familie, eben ein Dorn im Auge, eine Einrichtung die sie, zugunsten eines allumfassenden, eben das „Res privata“ nicht respektierenden Staates abschaffen möchten. Das Geschrei um die „Privatsphäre“ ist ja reine Augenwischerei, wenn andererseits Menschen so in Abhängigkeiten gebracht werden, dass sie ohne staatliches Gouvernantentum nicht lebensfähig sind.   Und die intakte familiäre Zelle ist eben die Garantie für eine intakte Gesellschaft. Menschen, die, wie die Kryprokommunistin Renate Schmidt, ehemals Bundesfamilienministerin (SPD) folgendes von sich geben: „Die Frage, [ob die Deutschen aussterben], das ist für mich eine, die ich an allerletzter Stelle stelle, weil dieses ist mir, also so wie sie hier gestellt wird, verhältnismäßig wurscht.“ stellen genau diese intakte Gesellschaft und ihren Fortbestand in Frage.

Diese intakte und kraftvolle Gesellschaft funktionierte im alten Rom, solange es sich seinen selbstgewählten Idealen verpflichtet fühlte. Aber der relative Wohlstand, die wirtschaftliche Prosperität, die Möglichkeit über Sklaven und Domestiken sich von der Arbeit zurückziehen zu können, also mehr an Zeit für Lustbarkeiten, Sex und Spiele zur Verfügung zu haben zerstörte den Glauben an diese Ideale. Heute würden wir sagen, Rom entwickelte sich zu einer disziplinlosen Spaßgesellschaft, einer Gesellschaft, wo die Umsetzung von Selbstverwirklichung, das Pflegen von „Hobbys“ wichtiger waren als die Notwendigkeit sich um die existentiellen Belange zu kümmern. Soweit jedenfalls die Patrizier, die „oberen Zehntausend“, die „Einkommensmillionäre“, die Besitzer von Latifundien und eben die politische Klasse. Die Situation ist mit heute vergleichbar: DAS WAR SPÄTRÖMISCHE DEKADENZ.

Und die Plebejer, das römische Prekariat? Da war es in der Tat so, dass Rom, bei einer Einwohnerzahl von 1 Mio., etwa 400 000 Sozialhilfeempfänger hatte. Man stellte diese ungebildete, unkonstruktive und nur am Fressen und Spaß interessierte Klasse ruhig, indem man ihnen einerseits „Brot und Spiele“ (also das die tägliche Soapopera, den öffentlichen Unterhaltungsmüll) bot und andererseits fütterte man sie auf Staatskosten durch. Mit diesen Alimentationsmaßnahmen erkaufte sich die politische Elite ihre Ruhe und brachte, jedenfalls solange es sich Rom glaubte das leisten zu können, das Proletariat unter Kontrolle und in Staatsabhängigkeit. Die Parallelen zu heute sind unübersehbar.

Diese kostenlosen Kornzuteilungen waren mitverantwortlich am Untergang Roms. Die Gesellschaft schaffte es nicht mehr derartig viele Schmarotzer durchzufüttern. Diese Erwartungshaltung war dekadent. Unbestritten vorgelebt von der nicht minder dekadenten Oberschicht.

 

DAS WAR SPÄTRÖMISCHE DEKADENZ.

 

Wenn wir uns also die Aussagen Westerwelles anschauen liegt er nicht falsch. Diejenigen die es leugnen sind a.) vor allem eben Angehörige der politischen Klasse, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen und sich den Plebejern als „Partner“ anbieten. Diese sind aber schlicht zu blöd zu erkennen, dass es keine wirkliche Partnerschaft zwischen den Verteilern des Korns (Geldes, Hartz IV) und ihnen geben kann. Und b.) ist es natürlich der neiderfüllte Plebs selbst, dem alle in den Hintern geblasenen Vergünstigungen, Zuwendungen, ja nicht einmal die Ablenkung durch „Spiele“ zu innerer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit verhilft. Dazu fehlen die in den letzten 40 Jahren verloren gegangenen „altrömischen“, aber eigentlich ganz selbstverständlichen Ideale.

Eine Jugend, der wir das Nehmen und Erwarten vorleben, eine Jugend der wir diese Ideale als überholt und lächerlich verkaufen, wird ihren Schritt in die Dekadenz beschleunigen. Von der dekadenten politischen Klasse jedenfalls kann sie keine charakterbildende Hilfe erwarten. Allenfalls Alimentierung.

 

Solange, bis der Kornspeicher leer ist.

Comments
Add NewSearchRSS
Only registered users can write comments!

Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved.